Open Source als Wirtschaftsfaktor: Warum Europa jetzt umsteuert
Im Juni 2026 hat die EU-Kommission ein Paket zur technologischen Souveränität vorgelegt. Ein Kernstück ist eine eigene Open-Source-Strategie. Die Kommission will Open-Source-Alternativen in Bereichen wie Cloud, Künstlicher Intelligenz und Cybersicherheit gezielt ausbauen. Der Grund ist wirtschaftlich: Europa ist bei zentralen digitalen Technologien stark von Anbietern außerhalb der EU abhängig.
Was die EU sagt
Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begründete das Paket mit einem Satz, der auch für jedes Unternehmen gilt: „We cannot afford to depend on others for the technologies that keep our hospitals running.“ Übersetzt: Wir können es uns nicht leisten, bei den Technologien, die unsere Krankenhäuser am Laufen halten, von anderen abhängig zu sein.
Die Kommission will deshalb in Fachkräfte und Open-Source-Start-ups investieren, die Wartung und Sicherheit wichtiger Open-Source-Projekte langfristig sichern und Open Source in den öffentlichen Verwaltungen stärker einsetzen. Nach Angaben der Kommission arbeiten in Europa heute schon über drei Millionen Menschen an Open-Source-Projekten mit.
Was deutsche Unternehmen sagen
Laut Open Source Monitor 2025 des Digitalverbands Bitkom nutzen 73 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten Open-Source-Software. 2023 waren es 69 Prozent.
Ebenfalls 73 Prozent halten Open Source für ein geeignetes Mittel, um die digitale Souveränität zu stärken. Als größten Vorteil nennen die Unternehmen Kosteneinsparungen, gefolgt vom Zugang zum Quellcode. Nur 37 Prozent haben aber eine Strategie dafür.
Wo das Geld bleibt
Der wirtschaftliche Unterschied liegt darin, wohin Ihre IT-Ausgaben fließen. Lizenzgebühren gehen an den Hersteller der Software, bei Microsoft 365 also an einen Konzern aus den USA. Bei Open Source fallen keine Lizenzgebühren an. Sie bezahlen für Einführung, Betrieb und Support, und zwar an einen Dienstleister, den Sie selbst auswählen, auch in Ihrer Region.
Damit bleibt mehr von Ihrem IT-Budget dort, wo es Arbeitsplätze und Know-how schafft: in Europa.
Was Unternehmen noch zögern lässt
Die Bitkom-Umfrage nennt auch die Hürden. An erster Stelle stehen fehlende Fachkräfte, danach eine unklare Gewährleistung und rechtliche Unsicherheiten bei den Lizenzen. Alle drei betreffen die Umsetzung, die Software selbst steht nicht in Frage. Sie lassen sich lösen, wenn klar ist, wer die Software betreut und wer im Ernstfall verantwortlich ist.
Was Sie daraus mitnehmen sollten
Die Politik in Brüssel und die Mehrheit der deutschen Unternehmen sehen Open Source als Weg zu mehr Unabhängigkeit. Was den meisten fehlt, ist ein Plan. Wenn Sie wissen möchten, wo in Ihrem Unternehmen ein Einstieg sinnvoll ist und wer die Betreuung übernimmt, sprechen Sie uns an.
Quellen
- Europäische Kommission: Strengthening Europe’s tech sovereignty, 03.06.2026
- Europäische Kommission: Pressemitteilung IP/26/1187, Juni 2026
- Bitkom: Drei von vier Unternehmen nutzen Open Source, Presseinformation vom 17.09.2025 (Open Source Monitor 2025, Befragung von 1.152 Unternehmen ab 20 Beschäftigten)
- Open Source Initiative: The Open Source Definition, abgerufen am 12.10.2026